Meta (Digitialisierung in der Lehre)

Auf dieser Seite berichten wir von unseren Erfahrungen mit der Digitalisierung. Das betrifft gleichermaßen die technische Umsetzung als auch die Einschätzung durch die Studierenden.

Vorbemerkung: digitale Lehre in Zeiten von Corona

Wir haben das Konzept der Veranstaltung und das Material in den letzten 2 Jahren entwickelt. Deswegen sind wir davon überzeugt und freuen uns darauf, mit den Studierenden damit zu arbeiten. Ein Artikel von NPR zur Lehre in Zeiten von Corona hat uns aber nochmal zum Nachdenken gebracht: https://www.npr.org/2020/03/19/817885991/panic-gogy-teaching-online-classes-during-the-coronavirus-pandemic?t=1584705533181. Wir wissen nicht, wie der Virus das Leben unserer Studierenden tatsächlich beeinflusst. Haben sie Kinder oder andere Angehörige, um die sie sich kümmern müssen? Sind sie vielleicht selbst erkrankt? Ist ihr Studi-Job gerade weggebrochen und sie wissen nicht, womit sie ihre Nudeln kaufen können? Kurz, es kann (derzeit) wichtigere Sachen geben, als unsere Lehrveranstaltung. Genauso gut kann es sein, dass sie zu Hause sitzen und vernünftigerweise Abstand zu allen anderen halten und sich über eine Veranstaltung wie unsere freuen. Fakt ist, wir wissen es nicht. Daher haben wir uns entschieden, unser Angebot aufzusplitten: eine verkürzte Variante und die Standard-Variante.

Die Studierenden haben die Wahl zwischen den beiden Varianten. Wir wünschen uns aber eine kurze Begründung, wenn sie die verkürzte Variante wählen.

Feedback: die Studierenden machen gut begründet Gebrauch von diesem Angebot. Sie haben außerdem Interesse bekundet, ggf. in die Standardvariante zurückzuwechseln (z. B. bei wieder verbesserter Betreuung der eigenen Kinder).

Vorgehen bei der Medienerstellung

Wir haben eine große Zahl an Videos und Podcasts erstellt. Dabei haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir wiederkehrende Tätigkeiten bei der Erstellung automatisieren können.

Videoerstellung

Dazu gehört die Erstellung der Bauchbinden für die Videos, die jeweils die gestellte Frage wieder aufgreifen. Diese wurden in Powerpoint erstellt. Um zu vermeiden, dass man für 30 Interviews 20 Fragen per Copy und Paste überträgt, haben wir die Fragen aus unserem Leitfaden in Word als Überschriften formatiert. Dieses Dokument wurde dann in Powerpoint importiert (Einfügen, Neue Folie, Aus Gliederung) und über eine Folienvorlage formatiert (alle Folien markieren und über Start | Layout zuweisen). Die erstellten Folien können dann alle auf einmal als PNG exportiert werden (Datei | Exportieren | Dateityp ändern). Dann sind sie leider zu hoch aufgelöst und sie haben noch eine weiße Fläche. Wir haben dann Adobe Photoshop genutzt, um sie zuzuschneiden und die Größe auf 1920px in der Breite anzupassen. Dies will man auch nicht 600 mal wiederholen (zu mal einem immer wieder noch Dinge auffallen, die zu verbessern sind). Daher haben wir die Stapelverarbeitung von Photoshop genutzt. Über diese Funktion kann ein ganzer Ordner von Bildern gleichzeitig bearbeitet werden.

Um den Schnitt vorzubereiten, haben wir eine Tabelle erstellt, in der die Fragen, ihr jeweiliger Beginn und der Beginn der Antwort erfasst werden. Nun kann man immer per Hand an die Stelle im Video springen, an der die Bauchbinde eingefügt werden soll. Analog zu den Schritten zuvor gilt: das kann man machen, die Gefahr, dass man nach dem 400sten Mal wahnsinnig wird, ist aber nicht gering. Die Alternative heißt Schnittmarken. Für den Videoschnitt nutzen wir Adobe Premiere. Es ist sehr hilfreich gewesen, aus der Wordtabelle die Schnittmarken zu generieren. Dazu haben wir eine Excel-Makro-Datei entwickelt, die eine csv-Datei erstellt, welche schließlich über den kostenlosen Screenlight Marker Importer in Premiere importiert werden kann.

Die Videos werden nach dem Schnitt mit einer Auflösung von 1920px*1080px exportiert und bei Youtube hochgeladen (“nicht gelistet”). Dann erhalten die Befragten Zugriff darauf und wenn deren Zustimmung vorliegt, werden die Videos freigeschaltet.

Parallel dazu werden die h5p-Dateien für die interaktiven Videos vorbereitet. Voraussetzung ist, dass man die Zeiten aus dem Video in die Schnitttabelle übertragen hat (wann beginnt eine Frage, wann beginnt die Antwort). Über h5p ist es möglich, die Videos mit Inhaltsverzeichnissen und Lesezeichen zu versehen. Die Inhaltsverzeichnisse sind Folien, auf denen die Fragen aufgeführt sind. Um nicht für jede Frage einzeln ein Feld definieren zu müssen, haben wir auch dort ein Excel-Makro erstellt, das aus unserer Schnittdatei und der Adresse des Youtube-Videos eine h5p-Datei erstellt, die dann in WordPress, Drupal usw. hochgeladen werden kann.

Der große Vorteil dieses Vorgehens ist, dass die h5p-Datei relativ klein bleibt, wenn sie nicht das Video selbst enthält, sondern dieses bei Youtube gehostet ist. Sonst würde man z. B. bei dem WordPress-Server der Uni Bremen schnell die Grenzen für Dateigrößen sprengen. Für Studierende, die Youtube nicht nutzen wollen, bieten wir die Videos (ohne interaktive Funktionen) auf dem Uni-Server an. Lehrende anderer Unis, die Youtube nicht nutzen wollen, können uns gerne kontaktieren, dann stellen wir die Videodateien auch zum Download zur Verfügung.

Podcasterstellung

Für die Podcastverwaltung haben wir ein WordPress-Plugin namens Podlove verwendet. Dieses Plugin erstellt aus einzelnen Dateien jeder Episode ein kohärentes Gesamtkunstwerk (d. h. einen RSS-Feed, den Podcast-Programme und Apple, Google, Spotify weiterverarbeiten können). Zu den Dateien gehören: die mp3-Datei (die eigentlichen Audiodaten), das Episodenbild (eine 3000px*3000px breite jpg-Datei), die Kapitelunterteilung (als Chapter.txt-Datei) sowie das Transkript (als webVTT-Datei). Die Bilder hatten wir ebenfalls aus Powerpoint als Grafik exportiert und dann auf 3000px Größe gebracht (auch per Photoshop-Stapelverarbeitung). Außerdem haben wir noch kleine Bilder der Mitwirkenden eingestellt. Dafür haben wir die bereits erstellten Podcastgrafiken nochmal in WordPress hochgeladen und dort bearbeitet (Ausschnitt der Person).

Die Sounddateien haben wir mit der Open Source-Software Audacity erstellt. Dafür hatten wir die Audiospuren aus Premiere exportiert. Zusätzlich hatten wir weitere Dateien aufgenommen:

  • das allgemeine Intro,
  • die Vorstellung des Themas,
  • die Vorstellung der Person sowie
  • die Verabschiedung.

Für das Intro haben wir die Youtube Audio Library zu Rate gezogen, die GEMA-freie Musik und Musik unter freier Lizenz für Videos/Podcasts zur Verfügung stellt.

Diese Dateien wurden dann mit Audacity zusammengefügt und als mp3 exportiert. Für diese mp3-Dateien hat eine studentische Mitarbeiterin im Anschluss eine neue Übersicht über den jeweiligen Beginn der Fragestellung und der Antworten erstellt. (Dazu ist es ratsam, auch Audacity zu verwenden, da zahlreiche Programm absurde Zeitangaben für mp3-Dateien ausgeben.) Ausgehend von dieser Tabelle haben wir die Transkript-Dateien und die Kapitelmarken automatisiert per Excel-Makro erstellen lassen.

Für das Transkript hatten wir eine Anfangsversion über trint erstellt. Diese wurde dann durch eine studentische Mitarbeiterin korrigiert. Nach zwei weiteren Korrekturschleifen wurden die Transkripte an die Befragten übergeben. Im Anschluss konnten die Antworten in die webVTT-Dateien übertragen werden. Das verwendete Podcast-Plugin ist etwas empfindlich was das webVTT-Format angeht (meldet aber leider keine Fehler). Um die eigene Datei zu überprüfen kann man auf den Live webVTT-Validierer zurückgreifen. Wichtig ist, dass am Ende der Datei noch Leerzeilen sind, sonst scheitert der Import, trotz des als valide erklärten Formats.

Alle Dateien für eine Episode erhalten den gleichen Namen (ep001.mp3, ep001.jpg, ep001.vtt, ep001.chapters.txt) und werden über FTP in einen Ordner auf dem Webserver hochgeladen. Dem Podlove-Plugin wird die Episodenbezeichnung (diese heißt bei Podlove “Slug”) übergeben. Um Transkripte importieren zu können, muss die Anzeige der Mitwirkenden in den Einstellungen aktiviert werden. Für die Mitwirkenden kann dann jeweils noch ein Bild eingestellt werden.

Der von Podlove bereitgestellte RSS-Feed wurde dann bei Google, Apple Podcast und Spotify eingetragen, so dass die Podcasts auch dort für die Studierenden verfügbar sind. (Bei Google Podcasts muss man ggf. noch einen Umweg über die USA gehen, da Google Podcast für Deutschland noch nicht offiziell freigeschaltet ist. Ein kostenloser VPN über hide.me reicht dafür schon aus.)

Einbettung in StudIP

An der Universität Bremen nutzen wir StudIP als elearning-Plattform. Gleichzeitig ist unser Ziel, die Materialien ohne zusätzlichen Aufwand anderen Universitäten zur Verfügung zustellen. Leider ist dies über StudIP nicht ohne Weiteres möglich. Daher sind wir den umgekehrten Weg gegangen und haben zuerst die öffentliche Webseite gebaut sowie dafür gesorgt, dass diese optimal in StudIP eingebettet werden kann. Dies erfolgt jetzt über einen iframe im Eduworkbuilder. Sinnvoll ist es dabei, die Navigationsleiste auszublenden. Dafür haben wir eine entsprechende Weiche in dem WordPress-Theme integriert. Wenn am Ende der Adresse ein /?top=no angehängt ist, dann wird kein Navigationsbereich angezeigt (Beispiel ohne Navigationsbereich).

Gesamtüberblick

Wie dargestellt sind einige Schritte notwendig, um alle gewünschten Features umzusetzen. Um den Überblick zu behalten, wer welchen der vielen Teilschritte schon erledigt hat, haben wir eine weitere Excel-Liste erstellt (hier zur schnelleren Übersicht bei Google Docs).