Über das Projekt

Ausgehend von existierendem, aufbereitetem Interview- und Text-Material von 18 Forscher_innen aus dem Bereich der inklusiven Pädagogik (Müller, 2018a, 2018b) wurden 30 Kernthemen der inklusiven Pädagogik für Studierende am Studienstart erschlossen. Zu diesen Kernthemen wurden Materialien in modularisierter Form für das Forschende Studieren aufbereitet, so dass Studierende in unterschiedlichen Studiengängen und verschiedenen Seminaren auf ihren Interessen aufbauend eigene Lernpfade in die inklusive Pädagogik finden können. Studierende hatten darüber hinaus die Möglichkeit, eigene Fragen einzubringen und so das Projekt mitzugestalten.

Zu den zentralen Zielen des Projektes gehörte es, gemeinsam Kernthemen der inklusiven Pädagogik zu identifizieren und für das Forschende Studieren zugänglich zu machen. Durch die Aufbereitung und Kontextualisierung von vorhandenem Datenmaterial zur Reanalyse kann einerseits ein Forschendes Lernen entlang der Studierendeninteressen ermöglicht und gleichzeitig eine Entlastung der Studierenden realisiert werden. Dieses selbsttätige Bearbeiten des Materials an Hand selbstgewählter Fragestellungen schafft für die Studierenden einen höheren Grad an Anschauung und ermöglicht eine tiefere Auseinandersetzung mit den Inhalten.

Die Studierenden können an Hand der Kontextualisierung des Datenmaterials Fragestellungen von anderen Forscher_innen und methodisches Vorgehen am Modell kennenlernen und für ihre eigenen Fragestellungen selbst anpassen. Die multimediale Aufbereitung (Videos, Podcasts, qualitative und quantitative OpenData-Angebot) unterstützt unterschiedliche Themenzugänge und bietet Möglichkeiten zum vertieften Arbeiten. Dabei ist eine Interaktivität in der Entwicklung der Materialien vorgesehen, die es Studierenden eröffnet, eigene Fragen zu den Themen aufzuwerfen, welche dann in folgenden Iterationen in das Material integriert werden.

Nutzung der erarbeiteten Kernthemen in weiteren Studiengängen

Zur Einbettung in den Fachbereich gehört auch die Nutzung der erstellten Materialien in anderen Studiengängen. Studierende beginnen, sich während verschiedener Phasen ihres Studiums und aus unterschiedlichen Motivationen heraus mit dem Thema Inklusive Pädagogik zu befassen. Dazu gehören Studierende, die Inklusive Pädagogik als Fach gezielt gewählt haben, ebenso wie Studierende, die sich im Rahmen einer Pflichtveranstaltung mit dem Thema befassen müssen. Durch die Kooperation mit der Akademie für Weiterbildung sind unter den Studierenden auch berufsbegleitend studierende Lehrer_innen. Das geplante Angebot sollte daher über das Übliche hinaus die Vielfalt der Studierenden im Blick behalten. Durch die modularisierte Form der aufbereiteten Materialien können sich die Studierenden – ausgehend von ihren eigenen Interessen – individuelle Zugänge erschließen. Die Einsatzmöglichkeiten beschränken sich daher nicht auf die Studiengänge BiPEb und zukünftig IPGyOS oder den Weiterbildungsstudiengang, sondern umfassen alle Lehramtsstudiengänge (Module Umgang mit Heterogenität BaUmHet, MaUmHet) sowie ein eGeneralStudies-Angebot für alle Studierenden.

Studiengänge an der Universität Bremen

Akademie für Weiterbildung

BiPEb – Inklusive Pädagogik (60 Studierende)
Bachelor IP-GY/OS zukünftig (30 Studierende)
Bachelor – alle Lehramtsstudiengänge
eGeneralStudies
 
Modul 3 Einführung Inklusive DidaktikIP-GO-4: Guter Unterricht in heterogenen LerngruppenBa Umgang mit Heterogenität (BaUmHet) -2 Veranstaltungen IP-spezifisch (60 Studierende)Neue Veranstaltung „Individuelle Lernpfade in die inklusive Pädagogik“ 
IP-4 Einführung Geistige EntwicklungIP-GO-3B: Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung   
IP-4 Einführung LernenIP-GO-3C: Förderschwerpunkt Lernen   
  Master – alle Lehramtsstudiengänge außer IP Weiterbildung Master Inklusive Pädagogik  (30 Studierende)
  Ma Umgang mit Heterogenität (MaUmHet) – 6 Veranstaltungen IP-spezifisch (180 Studierende) Modul 5 Inklusive Didaktik
    Modul 7 Einführung Förderschwerpunkte Lernen und Geistige Entwicklung

Einsatzmöglichkeit in Studiengängen außerhalb der Universität Bremen

Studiengänge für inklusive Pädagogik/ Sonderpädagogik Veranstaltungen zum Umgang mit Heterogenität im Lehramtsbereich  

Bei allen Veranstaltungen handelt es sich um Pflichtveranstaltungen, die zumeist im jährlichen Turnus (BaUmHet/MaUmHet jedes Semester) stattfinden. Diese Lehrveranstaltungen werden zum überwiegenden Teil von den am Projekt beteiligten Lehrenden durchgeführt, so dass eine Weiterführung über den Projektzeitraum von zwei Jahren hinaus sichergestellt ist. Selbst bei personellen Veränderungen kann das Material auf Grund des ausgearbeiteten didaktischen Konzepts und der freien Lizenz weiterhin genutzt werden.

Alle weiteren Lehramtsstudiengänge

Auch in den übrigen Lehramtsstudiengängen können Studierende von den erarbeiteten Kernthemen profitieren. So ist die Einführung in die Inklusive Pädagogik in Form eines Seminars Bestandteil aller Lehramtsstudiengänge über die Module zum Umgang mit Heterogenität (Module BaUmHet/MaUmHet). Bei den Modulen zum Umgang mit Heterogenität in den lehramtsbezogenen Bachelor- und Masterstudiengängen handelt es sich um essentielle Bausteine für die Vorbereitung auf die schulische Praxis.

Im Bereich BaUmHet und MaUmHet muss – ergänzend zu der Lehre von Frau Schwarzenberg – außerdem auf Grund der Personalsituation immer zusätzlich auf Lehraufträge zurückgegriffen werden. Diese regelmäßigen Lehrbeauftragten können über das Konzept und die Materialien unterstützt werden, den Studierenden Forschendes Studieren zu ermöglichen. Auch hier bietet die Modularisierung die Möglichkeit, an den Schwerpunktsetzungen der Lehrenden anzuknüpfen.

Akademie für Weiterbildung – Berufsbegleitender Master für Inklusive Pädagogik

Auch der berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengang Master für Inklusive Pädagogik kann in besonderem Maße mindestens für die kommenden 6 Jahre von den erarbeiteten Modulen profitieren. Das Forschende Studieren ermöglicht für diese Studierenden einen starken Bezug zu ihrer praktischen Arbeit in der Schule. Die modularisierten Inhalte können analog zum BiPEb-Studiengang in den Einführungen in die inklusive Didaktik (Modul 5) und die Einführung in die Fachrichtungen Lernen und Geistige Entwicklung (Modul 7) genutzt werden.

Studiengänge außerhalb der Universität Bremen

Die besondere Bedeutung des Themas Inklusive Pädagogik für die Lehrer_innenbildung wird auch von der HRK und der KMK in der gemeinsamen Empfehlung „Lehrerbildung für eine Schule der Vielfalt“ (2015) betont. An der überwiegenden Zahl der Universitäten gibt es dementsprechend mittlerweile vergleichbare Lehrveranstaltungen zum Umgang mit Heterogenität. Für all jene Lehrende stellen die Materialien eine Chance dar, ebenfalls Forschendes Studieren in unterschiedlichem Umfang zu implementieren. Dadurch wird die Sichtbarkeit der Universität Bremen und des Forschenden Studierens im Fach dauerhaft verbessert.

Nachhaltigkeit

Die zentralen Herausforderungen von Nachhaltigkeit in der Lehre und Forschung werden in dem Projekt durch die Einbindung des Forschenden Studierens als Konzept für den Studiengang berücksichtigt. Studierende werden dazu angehalten, sich durch das Projekt langfristige und dauerhafte wissenschaftliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen im Hinblick auf Inklusion und den Umgang mit Diversität anzueignen, sowie kritische (Selbst-)Reflexion anzuregen. Aber auch die Inhalte der Kernthemen erfahren durch die vertiefte Beschäftigung eine höhere Aufmerksamkeit als in frontalen Vortragssituationen. Die zugängliche Präsentation der Inhalte verschafft den Studierenden auch jenseits der Seminare einen Zugriff auf die Themen und die Materialien.

Durch die Modularisierung der Inhalte und die Veröffentlichung der Materialien unter einer freien Lizenz als OER kann die Nutzung unabhängig von einzelnen Lehrenden sichergestellt werden. So können die Materialien auch beim Weggang einzelner Lehrender weiterhin genutzt und entwickelt werden. Durch die Dokumentation der hochschuldidaktischen Konzeption und die freien Materialien wird eine Weiterführung des Forschenden Studierens realisiert. Das Projekt erhält durch beide Ansätze einen Modellcharakter, der auch für andere Studiengänge interessant ist.